17.10.2019

Ein Ort der Willkür und Entrechtung

Im Frühjahr 1933 errichteten die neuen nationalsozialistischen Machthaber im ehemaligen Bischofsschloss Kislau südlich von Heidelberg ein Konzentrationslager. Seit dem Frühjahr 1934 war Kislau das einzige Lager seiner Art in ganz Baden. Seit 1936 als 'Bewahrungslager' firmierend, wurde es erst 1939 wieder aufgelöst. Während der sechs Jahre seines Bestehens wurden insgesamt mehr als 1.500 Männer im KZ Kislau widerrechtlich festgehalten: zunächst vor allem politische Gegner wie der ehemalige badische Staatspräsident Adam Remmele, später auch angebliche 'Asoziale' und 'Rassenschänder', Zeugen Jehovas, ein Plankstadter Pfarrer und andere angebliche 'Volksschädlinge'.

Der ehemalige Landesminister Ludwig Marum wurde in Kislau ermordet, mehr als hundert Männer wurden von Kislau nach Dachau, Buchenwald oder in andere Lager 'verschubt'. Dutzende von ihnen fanden dort den Tod.

Dr. Andrea Hoffend und Luisa Lehnen aus dem Projekt-Team haben die bislang wenig bekannte Geschichte von Kislau in der NS-Zeit grundständig recherchiert und sind dabei, diese für eine rund 200 Seiten umfassende Buchpublikation aufzubereiten. Über die Geschichte des Konzentrationslagers und die Schicksale der dort inhaftierten 'Schutzhäftlinge' hinaus beleuchten sie in ihrem Vortrag auch die anderen Funktionen, die der Schlossanlage unter dem NS-Regime zugedacht waren.

Hier gibt es das vollständige Programm der Vortragsreihe des Kreisarchivs Rhein-Neckar zum Download.

Ort: Domhof Ladenburg, Hauptstraße 7, 68526 Ladenburg | Uhrzeit: 19.30 Uhr