Lernort Kislau mit Dokumentationszentrum

Das Konzentrationslager Kislau 1933 bis 1939

Um ihre Gegner mundtot zu machen, errichteten die Nazis nach ihrer so genannten „Machtergreifung“ reichsweit Konzentrationslager. Auf dem Gebiet des heutigen Baden-Württemberg entstanden im Laufe des Jahres 1933 insgesamt vier KZs. Während drei davon bis 1935 wieder aufgelöst waren, hatte das zentral an der Bahnstrecke zwischen Bruchsal und Heidelberg gelegene KZ Kislau von April 1933 bis April 1939 Bestand. In diesem Zeitraum wurden dort über 700 Regime-Gegner – mehrheitlich Kommunisten und Sozialdemokraten – ohne jegliche rechtliche Grundlage festgehalten.

Die KZ-Häftlinge schliefen zusammengepfercht im Ostflügel des Kislauer Schlosskomplexes. Man zielte auf ihre Demütigung, Ausbeutung und politische Neutralisierung ab und noch nicht auf „Vernichtung durch Arbeit“. Allerdings wurden viele Häftlinge von Kislau aus ins KZ Dachau und von dort weiter in andere Lager verschleppt. Aber auch in Kislau selbst kam es zu mindestens einem Mord:

Im Rahmen einer “Schaufahrt” hatten die Nazis im Mai 1933 einige ihnen besonders verhasste “Systempolitiker” nach Kislau gekarrt – unter ihnen der frühere badische Innenminister und Staatschef Adam Remmele sowie der ehemalige badische Justizminister Ludwig Marum. Ein knappes Jahr später wurde Marum dort von SA- und SS-Schergen erdrosselt.

Im Frühjahr 1984 – genau 50 Jahre nach dem Mord an Ludwig Marum – errichtete die SPD Karlsruhe vor dem ehemaligen Verwaltungsgebäude des KZs Kislau einen Gedenkstein. Von Seiten des Landes Baden-Württemberg geschah hingegen lange wenig, um die KZ-Geschichte von Schloss Kislau zu erforschen und an sie zu erinnern. Nicht zuletzt die Schicksale der Nazi-Gegner, die im KZ Kislau inhaftiert waren, harren noch einer zielgerichteten Aufarbeitung. Nur die Biografien einiger weniger sind erforscht, in der Öffentlichkeit bekannt sind sie kaum. Mit der Verzeichnung der Kislauer Häftlingsakten schafft das Generallandesarchiv Karlsruhe derzeit eine entscheidende Voraussetzung für deren Erschließung sowie für weitergehende Forschungen.

Perspektiven einer innovativen Geschichtsarbeit in Kislau

Kislau ist der geeignete Ort, um das Ziel historischen Erinnerns für ziviles Widerstehen zu verwirklichen – nicht im umzäunten Bereich der heutigen Justizvollzugsanstalt, aber doch auf historischem Gelände. Denn kein anderer Ort in Baden steht in gleicher Weise für den Mut und die Standfestigkeit der frühen Nazi-Gegner. An der Nahtstelle zwischen den beiden größten Ballungsräumen Badens gelegen, soll der künftige Lernort Kislau als ein Ort des Erlebens, der Information und der Begegnung erfahrbar sein. Zugleich wollen wir dort jungen Menschen konkrete Handlungsspielräume für ihren eigenen Alltag eröffnen.

Auf dem Gelände nördlich der JVA-Außenstelle Kislau stellt das Land Baden-Württemberg kostenlos Baugrund für ein Lern- und Dokumentationszentrum zur Verfügung. Darüber hinaus stellt das Land in seinem Doppelhaushalt 2015/16 für ein Anschubprojekt zur Errichtung des Lernorts Mittel in Höhe von jeweils 200.000 Euro bereit. Auf dieser Basis entwickeln wir im genannten Zeitraum ein detailliertes Ausstellungs- und Vermittlungskonzept, bauen Sammlungen auf, planen das Gebäude für das künftige Lern- und Dokumentationszentrum und suchen Geldgeber dafür.

Via Wettbewerb zur besten Raumlösung

Im Frühjahr 2016 wurde ein begrenzt offener Architekturwettbewerb für einen Neubau des Lernorts Kislau ausgelobt. Eine sechsköpfige Jury, der auch der Karlsruher Landrat Dr. Christoph Schnaudigel und der Bad Schönborner Bürgermeister Klaus Detlev Huge angehörten, ermittelte im Juli 2016 drei Siegerentwürfe. Der erstplatzierte Entwurf des Karlsruher Büros rossmann + partner bietet eine exzellente Grundlage für alle weiteren Planungen sowie für die Mittelakquise.

Damit der Lernort Kislau endgültig Realität werden kann, bedarf es vielfacher weiterer Unterstützung von privater Seite - auch durch Sie! Genauere Informationen darüber, wie wir am Lernort Kislau arbeiten möchten, finden Sie in unserer Konzept-Broschüre.

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